Auf der Mailingliste des AK Vorratsdatenspeicherung gab es heute eine ziemlich seltsame E-Mail. Der Pottblog berichtet von einem angeblichen Skandal, der sich im Fußballstadtion des FC Schalke 04 ergeben hat.

Die BILDzeitung titelte: „Fan Vorsänger zum Verhör! Stasi Skandal auf Schalke!“

Zuerst könnte man denken, dass vielleicht der Fan Vorsänger früher einmal Informant der Stasi gewesen war- diese Enthüllungen gab es ja in letzter Zeit häufiger. Aber Nein! Was die Bild da als Skandal bezeichnet, ist eine Abstrusität sondergleichen.

Fankurven-Vorsänger Simon musste während des Spiels gegen Rostock zum Polizeiverhör. Grund: Mitglieder der „Ultra“-Anhänger hielten Plakate mit der Aufschrift: „Stasi 2.0“ und einem Bild von Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble (65) in die Luft. Simon befestigte eines der Plakate sogar an seinem Vorsängerturm.

Dieses Bild hatte für diese immense Aufregung gesorgt:

Die WAZ griff die Geschichte auf sofort auf:

Nicht ohne Grund: Aus Protest gegen die Polizeiaktion beim MSV-Spiel wurden sowohl beim Kick gegen Barcelona als auch gegen Rostock in der Nordkurve Transparente mit einem Bild von Innenminister Wolfgang Schäuble und der Aufschrift „Stasi 2.0″ aufgehängt. Eine Protestkampagne, die bundesweit wegen Schäubles Sicherheitspolitik läuft – auch jenseits von Fußballstadien und in anderen Zusammenhängen.

Der S 04-Ordnungsdienst wies bei den Heimspielen die Entfernung der Plakate an; zudem bat die Polizei den Ultras-Einpeitscher Simon noch während des Spiels zu einem Gespräch. „Nicht zu einem Verhör“, wie Kordts betonte. Die Polizei prüfe zurzeit, ob die Banner den Tatbestand der Beleidigung erfüllten.

Es war also lediglich eine „Schäublone“ zu sehen. Laut den Gelsenkirchner Ultras prüfe die Polizei „ob Strafanzeige wegen Verwendung verfassungsfeindlicher Symbole erstattet wird und überließ die Fahne dem Ordner.“ Aha, schon klar. Mal abgesehen davon, dass die Schäublone auf unzählig vielen Blogs in der rechten oberen Ecke hervorlugt, auf der Demo am 22.09.2007 in Berlin 15.000 Menschen die Schäublone auf die eine oder andere Weise mit sich herumtrugen und auch sonst die Schäublone zu dem „Wiedererkennungsmerkmal“ der Datenschutzbewegung überhaupt geworden ist. Die Polizei müsste also, wenn sie konsequent wäre, vielleicht um die 50.000 Menschen wegen Verwendung verfassungsfeindlicher Symbole verfolgen (mal ganz abgesehen davon, dass es schon skurill ist, wenn die Polizei das Gesicht von Schäuble als „verfassungsfeindliches Symbol“ definiert). Die Polizei sollte da doch lieber auf netzpolitik.org hören:

Ein bisschen mehr Entspannung täte der Polizei auch im Ruhrgebiet ganz gut.