Letzte Woche war ich auf der re:publica unterwegs und inmitten von 800 Bloggern und Netzaktivisten kamen mir schon einige Fragen auf, wie sich eigentlich auch die politische Kultur in Deutschland durch Blogs verändert hat. Blogs sind ja grundsätzlich erstmal die Demokratisierung des Internets.

Früher konnten nur irgendwelche HTML-Freaks eine eigene Homepage erstellen, während heutzutage praktisch jeder mit zwei, drei Klicks einen Blog sein Eigen nennen kann (und der sieht meistens auch noch, aufgrund frei zugänglicher Themes, schick und professionell aus).

Die Blogossphäre ist aber auch ein ziemlich abgetrennter, gesellschaftlicher Raum. Netzpolitik ist immer noch nicht en vogue in Deutschland. Das Schimpfwort “Internetausdrucker” für PolitikerInnen, die nicht mal ihre E-Mails öffnen können, ist daher schon angebracht. Kein Wunder, dass CC-Lizenzen blockiert werden, wenn Abgeordnete über ein Medium wie das Internet Beschlüsse fassen müssen und dabei das Internet gar nicht verstehen.

Blogs sind dennoch zu einem journalistischen Korrektiv geworden. Viele Menschen beschaffen sich ihre Infos fast ausschließlich über Blogs und nicht mehr über die altherrgebrachten Medien. Und immer wieder sorgen Blogs auch mal für ordentliche Skandale. Auf dem basicthinkingblog wurde vor geraumer Zeit einmal die Topliste der Blog-Skandale veröffentlicht. Die dort beschriebenen Fälle wären vor ein paar Jahren noch undenkbar gewesen.

Ziel der Blogossphäre müsste es jetzt vielleicht sein noch stärker aus ihrem eigenen Umfeld auszubrechen und auch einen stärkeren Einfluss auf die etablierten Medien auszuüben. Aber vielleicht wollen das ja auch viele Blogger_innen gar nicht. Von der nächsten re:publica 2009 würde ich mir am liebsten ein Thema wünsche a la “Blogs- der Griff zur Macht”. Oder so ähnlich ;) Aber es wäre schon interessant, wenn es eine noch stärkere Diskussion darüber geben würde, wie die Blogs eigentlich auf die Gesellschaft wirken wollen. Eine so starke Gegenkultur im Netzt hat Potenzial- nur müsste es noch stärker genutzt werden. Wie das dann genau funktionieren soll? Keine Ahnung. Da erhoffe ich mir Antworten in gemeinsamen, konstruktiven Diskussionen.

Eine andere Überlegung die mir gekommen ist: Blogs raus aus Google. Warum das?

Blogger_innen sind untereinander immens gut vernetzt und verstehen es auch den eigenen Blog bei Google durch einen guten Page Rank zu pushen. Ich verstehe zwar nicht viel von den Google Algorithmen, die einen PageRank erzeugen, aber eine Sache hatte mich schon amüsiert, als ich mit dem Bloggen anfing.
Ich schrieb damals einen Artikel über Nazis im SchülerVz und zwar auf dem Blog der GRÜNEN JUGEND Rheinland-Pfalz. Für über drei Wochen war mein Artikel der zweite Treffer bei Google, wenn man nach “SchülerVz” gegoogelt hat.

Vorteil: Über den PageRank schaffen es auch kritische Artikel bei Google nach ganz vorne.
Nachteil: Auch ganz unsinnige Artikel können das schaffen.

Wenn ich eine Suchmaschine wie Google benutze, dann möchte ich auch, dass ich informative Links erhalte und mich nicht erst durch tausende von Blogs klicken muss bis ich das gefunden habe, was ich auch brauche. Ich selber kann das vielleicht noch gut verkraften, aber Leute, die sich nicht so sehr mit dem Internet beschäftigen und google auch nur rudimentär nutzen, könnten auf Dauer bei so etwas stark gefrustet werden.

Will ich jetzt Zensur bei Suchmaschinen? Auf keinen Fall! Aber ich fände eine Kategorisierung bei Google sinnvoll! Google unterscheidet ja schon zwischen Bildern, News, Shopping etc. Es gibt bei Google auch einen Blog Search, aber der ist nur seperat nutzbar. Gibt es keine Möglichkeit, dass Blogs auch als eigene Suchkategorie bei google gelistet werden können? Dann könnte der/die NutzerIn bewusster entscheiden was er/sie suchen will, z.B. über “offizielle” Seiten oder über Blogs.

Naja…vielleicht quatsche ich da auch jetzt gehörigen Bockmist, aber es würde mich schon interessieren, ob so etwas prinzipiell möglich wäre. Hat jemand noch Ideen dazu?

Eine Antwort zu “Die Macht der Blogs- Hegemonie bei Suchmaschinen”

  1. Florian sagte:

    Was die Suchmaschinen angeht, so darf man deren Macht defintiiv nicht unterschätzen und muss immer bedenken, dass sie es sind, die die Informationen für uns vorselektieren und damit auch über unsere Informiertheit oder Uninformiertheit entscheiden. Hier herrscht also defacto schon Zensur und es wäre IMO daher eine Demokratisierung angebracht.

    P2P-Ansätze wie Yacy (http://de.wikipedia.org/wiki/Yacy) gehen hier sicher in die richtige Richtung.

    Kennst du eigentlich die Blogsuchmaschine http://technorati.com ?
    (Funktioniert allerdings ebenfalls mit einem Pagerank-ähnlichen Algorithmus)

    Für die bessere Nutzbarmachung des im Netz vorhandenen Wissens gibt es den Ansatz des Semantic Web: http://de.wikipedia.org/wiki/Semantic_Web
    Damit könntest du detaillierte, maschinenverständliche Suchanfragen stellen - das Semantic Web steckt aber leider derzeit noch in den Kinderschuhen, u.a. weil viel zu wenige Menschen ihre Inhalte mit formaler Semantik (=maschinenverständlich) annotieren.

Eine Antwort hinterlassen