Heute findet sich auf Spiegel Online ein Artikel über die heftigen Grabenkämpfe, die die Linkspartei auf ihrem Parteitag in Cottbus auszufechten hat. Vor allem die Positionierung zu Israel hat heftige Gräben in der Partei verursacht. In der Linken finden sich auf der einen Seite, gerade unter den jüngeren Mitgliedern, starke antideutsche Tendenzen, die sich solidarisch mit Israel zeigen. Auf der anderen Seite gibt es aber auch äktere Genossen, wie Norman Paech, die immer noch ihr antiimperialistisches Weltbild aufrecht erhalten wollen.

Ausgelöst wurde der mediale Streit durch zwei Vorkommnisse:

1. Die Kritik des BAK Shalom der Linksjugend an einer Rede von Norman Paech. Benjamin Krüger, der Sprecher des BAK Shalom, hatte Paech zu Recht wegen seines Antizionismus kritisiert.

2. Eine wirklich gute Rede von Gregor Gysi auf einer Tagung der Rosa-Luxembourg Stiftung. Hier ein kleiner Auszug:

Für diese Tendenz zur einseitigen Parteinahme, bevor Konfliktbeschreibungen stattfinden, gibt es eine Reihe von Gründen. Antiimperialistische Theorien, die die Politik Israels als die eines aggressiven Imperialismus interpretieren und kritisieren. Dann ein eher freundliches Bild vom demokratischen Israel, das den Kontrast zu den wesentlich autoritär geprägten Nachbargesellschaften plastisch darstellt. Schließlich die Einfühlung in das Leiden insbesondere der palästinensischen Bevölkerung, und die Kritik an den Demokratiedefiziten Israels, die durch den Krieg gewiss nicht behoben werden, sich im Gegenteil durch ihn vertiefen. Dann muss leidenschaftlich Einspruch erhoben werden gegen die Tendenz, die Opfer des Terrors in der israelischen Gesellschaft aus dem Bewusstsein zu drängen; aber auch das ideologische Pendant zur antiimperialistischen Kritik, die so genannten „Antideutschen“, deren Hauptfeind ein sich unkenntlich machender Antisemitismus ist. Dieses bunte Durcheinander an Motiven bildet dann schon so etwas wie den matten Abglanz der Kompliziertheit einer Konfliktbeschreibung.

Sebi Brux meint zu dem Streit in der Linkspartei:

Nun sind die Trolle in der Partei geweckt und es beginnt eine bitter notwendige Debatte innerhalb der Linken um Israel, den Antizionismus und offenen Antisemitismus in der Partei.

Da gebe ich ihm zu 100% Recht. Es wäre ein guter Schritt, wenn sich die Linkspartei endlich von ihrem unsäglichen Antizionismus und ihrer einseitig geprägten Kapitalismuskritik trennt und somit auch einen Teil des SED Erbes begräbt. Dann könnte man auch langsam außenpolitisch mit der Linkspartei zusammen arbeiten.



5 Responses to “Israel spaltet die Linke”  

  1. 1 Hurz

    Jau, gemeinsame Außenpolitik: Meinst du so schöne grüne Traditionen wie Kriegsbeteiligungen oder so? Nein Danke, reitet euch mal aleine in die Scheiße…

  2. Um es mal ganz anders aufzuzäumen:
    die Probleme, die in Israel und den Ländern rundherum existieren, sind von Kolonialimus und Neo-Kolonialimus (Imperialismus) verursacht und beruhen nicht auf einer generellen Feindschaft oder absoluten Inkompatibilität zwischen Menschen jüdischen oder muslimischen Glaubens- immerhin haben sich vor 1948 beide „Volksgruppen“ (Anti-Dt. und stalinistische Linke mögen verzeihen, dass ich mit dem Begriff „Volk“ ein Problem habe) im Allgemeinen nicht die Köpfe eingeschlagen, sondern waren zumindest „gemeinsam“ Gegner der britischen Besatzung.
    Diese Besatzung wurde, wie bei kolonialen Mächten üblich, erst beendet, als der durch sie selbst (die britische Armee) (mit-)entfachte Konflikt bereits im Gange war als Teil des beliebten Spiels „Teile und herrsche“- nicht anders ist erklärlich, dass 1956 GB und Frankreich Ägypten angriffen (Stichwort: Suez-Kanal) und beide Länder stets mit modernen Waffensystemen beide Seiten(!) belieferten.
    Ja, die Geschichte beginnt nicht erst mit den Selbstmordattentätern vor 15 Jahren.
    Die von einem Teil der sog. Anti-Deutschen* aufgeworfenen Vereinfachungen (z. B. weißer glattrasierter moderner demokratischer friedliebender Israeli=gut; dunkelhäutiger bärtiger ungebildeter faschistischer brutaler Muslim-Araber=böse) ist m. E. eine besonders perfide rassistische und unhistorische Spielart, Probleme in der Region aufzulösen (cui bono? wem nützt das?).
    Jede/r sollte Abstand halten und bewahren und sich gerade als „Deutsche/r“ nirgendwo vorbehaltlos „vor den Karren spannen“ lassen. Unsere historische Verantwortung ist genaues Hinsehen und Nachdenken anstatt Parolengrölen und stumpfes Drauflosschlagen, so wie es unsere Großväter (-mütter) taten (tun mußten… mal wieder eine interessante Frage, die sich nicht mit den üblichen Plattheiten beantworten läßt).
    Wer jetzt daherkommt ;-) und mir mangelndes Wissen vorhält- ich war 1984 in Israel, habe in drei Wochen (nicht als Tourist) viel gehört und gesehen, von allen Seiten- es gibt nicht nur zwei!- und den Eindruck gewonnen, dass Politik in erster Linie durch Zuhören, Nachdenken und Respekt funktioniert.
    So wenig respektvoll wie „ihr Anti-Dt.“ mit den „alten Kämpen“ (gehöre ich schon zu denen?) umgeht, so wenig werden sie (wir?) euch zuhören und mit euch so umgehen, wie ihr es vielleicht zum größten Teil möchtet.
    Die Mitgröhler von „There were 10 german bombers in the air“ sind damit allerdings m. E. nicht gemeint. Auch ich habe eine Schmerzgrenze, so wie mir die Intifada-Freaks aus der autoritär-stalinistischen „autonomen“ Ecke schon lange übel aufstossen- lange bevor „konkret“ mit Phrasendreschen einen Weg zur Auflagensteigerung entdeckt hat und die meisten „Anti-Dt.“ („Hosenscheisser“) trocken waren ;-)
    Soweit erstmal- geschrieben von einem dieser „Alt-Linken“ (s. mein Weblog nordstadt.wordpress.com)- Antwort ggf. bitte hier- Verlinkung hierher erfolgt bei Setzung eines „Gegen-Links“
    (Soundtrack- Joy Divison „I remember nothing“)

  3. 3 ICH

    Zionismus ist Rassismus.
    Ein jüdischer Historiker (Iland Pappe) in der Kulturzeit (3sat) über die ethnische Säuberung Palästinas durch die Zionisten/ Israel.
    http://www.youtube.com/watch?v=XOfX7pd6xic
    Israel verstößt laufend gegen Völkerrechte und Menschenrechte. Dies wird zu tiefst von der US- Regierung mit Geld und Waffen unterstützt. Auch Deutschland spendet eifrig jedes Jahr viel Geld für Israel. In Palästina werden seit nunmehr 60 Jahren die Palästinenser aus dem eigenen Land vertreiben, es herrscht Apartheit und Unterdrückung. Israel ist durch EU und die USA hoch gerüstet, hat über 200 Atombomben und droht dem Iran und Nachbarländern seit Jahren mit Krieg. Leider Senden die Medien hier am laufenden Band Pro- Israelische Propaganda und verblenden die Menschen, indem sie Antizionismus mit Antisemitismus gleichsetzen.
    The UN estimates that approximately 711,000 (2/3 of the population) Palestinians were expelled into refugee camps in Jordan, Lebanon, Egypt, Gaza, and West Bank. In some cases, many Palestinians were massacred by Zionist gangs such as the Irgun or Haganah. Over 530 Palestinian villages and towns were ethnically cleansed and confiscated by the newly established state of Israel in order to make room for new Jewish immigrants. In 1950, the Absentee Property Law was passed in Israel. It provided for confiscation of the property and land left behind by departing Palestinians, the so-called „absentees“.
    Israel has since refused to allow Palestinian refugees to return to their homeland, and has refused to pay them compensation as required by UN Resolution 194.


  1. 1 _jung _grün _stachelig » Blog Archive » 60 Jahre Israel- 60 Jahre Kontroversen
  2. 2 zeitrafferin » Julia Seeliger » Die Linkspartei und “die Juden”

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