Endlich komme ich dazu über den Bundeskongress der GRÜNEN JUGEND zu bloggen, der gestern in Bonn zu Ende gegangen ist. Es war ein wirklich ziemlich schönes Wochenende, aber alles der Reihe nach.

Am Freitag war ich schon ziemlich früh in Bonn, um an der Aktion gegen Biopiraterie mitzuwirken. Wir trafen uns mit Aktivisten des buko und dem Netzwerk Freies Wissen in einem Hinterhof und bastelten dort Copyright und Paragraphen Schilder. Vor allem das Patentmonster, was kurz zum Einsatz kam, war sehr gelungen.
Bestückt mit den Materialien fuhren wir dann zu der Aktion zum Maritim Hotel, was durch einen Sichtschutz und UN Beamte abgeriegelt war. Wir waren ungefähr 30 Leute bei der Aktion, leider gab es fast keine Zuschauer für unsere Aktion, weil der Ort der Aktion etwas abseits der frequentierten Route lag. War aber trotzdem nicht so schlimm, denn Spaß gemacht hat es allemal. Vor allem unsere beiden Niedersachsen als Biopiraten waren ziemlich lustig :)

Dann ging es auch schon los! Wir tagten in der IGS Bonn-Bad Godesberg. Leider konnten Max Plenert und ich das Godesberger Programm der SPD nicht finden. Wir waren uns sicher, dass die SPD irgendwo dort den Marxismus begraben hatte.
Der Bundeskongress hatte übrigens auch Geburtstag. Es war der 30. BuKo und dafür gab es eine schöne Klopapiertorte.
Auf dem Programm standen zunächst Grußworte, u.a. von Verena Schäffer, Sprecherin der GRÜNEN JUGEND NRW. Außerdem sprach ein Vertreter von solid, dem Jugendverband der Linkspartei. Seine metaphorische Rede („Der Kapitalismus trägt das Schlechte in sich, wie die Wolken den Regen“) war zwar sehr polemisch und verschreckte deswegen auch viele, es war aber auch viel wahres dran, denn er machte uns darauf aufmerksam, dass die GRÜNE JUGEND in einem immensen Schwebezustand zwischen Kapitalismuskritik und Wirtschaftsliberalismus steckt (der Leitantrag hatte diese innere Zerissenheit übrigens sehr bewiesen).

Am Abend gab es dann eine aufgeregte Debatte über Schwarz-Grün. Viele fühlten sich „verarscht“ von den Grünen, Ario machte darauf aufmerksam, dass wir endlich ein „linkes Projekt“ in Deutschland brauchen. Till Steffen, neuer Justizsenator der Grünen und ehemaliges GJ Mitglied, verteidigte den Koalitionsvertrag, genauso wie Linda Heitmann, Ex-Sprecherin der GRÜNEN JUGEND Hamburg. Die Diskussion stand eigentlich unter dem Namen „Zukunft der Grünen Partei“, deshalb ist es auch schade, dass die Diskussion so einseitig über Hamburg geführt wurde. Meiner Meinung nach konnte nur Karl Bär einen intelligenten Redebeitrag zu der Diskussion beisteuern. „Nur wel die SPD scheisse ist, ist die CDU nicht weniger beschissen“, war seine Meinung zu der Diskussion. Außerdem machte er darauf aufmerksam, dass man in diesem 5-Parteien System den Parlamentarismus grundsätzlich weiterentwickeln müsste, von daher seien auch Minderheitsregierungen oder Konsensvereinbarungen, wie in Skandinavien, denkbar. Danke für diese Anmerkung! Wäre ich auch noch dran gekommen, hätte ich das gleiche gesagt.

Was ich am Freitag abend dann gemacht habe, weiss ich nicht mehr genau. Es gab auf jeden Fall ein Ländertreffen der GRÜNEN JUGEND Rheinland-Pfalz. Wir waren mit 12 TeilnehmerInnen auf dem BuKo, was für unseren Landesverband schon nicht schlecht ist.

Am Samstag morgen sollte ich mit Verena und Max eine Fishbowl zum Leitantrag diskutieren. Leider kamen nicht allzuviele (ca. 12 Leute), weil parallel auch noch die Workshops stattfanden. Einen Konsens hatte die Gruppe schnell gefunden: der Leitantrag war sehr schwammig und inkonsequent. Die Kritik des solid Vertreters war berechtigt. Einerseits sagen wir in dem Antrag wir seien kapitalismuskritisch, andererseits stellen wir die wichtigste Frage überhaupt nicht: „Ist Eigentum überhaupt legitim?“ Der Antrag hatte einige logische Brüche, deshalb entschied ich mich auch dafür gegen den Antrag zu stimmen. Meine Kritik zu dem Antrag habe ich bereits in dem Kongress Spunk dargelegt, der hier heruntergeladen werden kann.

Es gab mittags noch ein Grußwort von Claudia Roth. Wie immer musste Claudia ihre Redezeit überziehen und sie ging leider auch nur sehr spärlich auf den Leitantrag ein. Schade, normalerweise finde ich ihre Reden wirklich besser, dieses Mal war es eher eine Wahlkampfrede, obwohl sie uns ja gar nicht mehr überzeugen muss. Da war Reinhard Bütikofers Rede einen Tag später erstaunlicherweise besser, da er sich wirklich mit unserem Thema auseinandersetzte und auch einige Kritikpunkte anbrachte.

Am Samstag war ich auf dem Treffen des Fachforums Bildung. Wir haben meiner Meinung nach einen wunderbaren Antrag zur Bildungspolitik eingebracht. Der Antrag ist progressiv und fundiert. Hier kann man sich den Antragstext durchlesen (wichtig: ohne die beschlossenen Änderungsanträge). Unser nächstes Projekt wird jetzt eine Bildungsbroschüre sein, auf die ich mich schon riesig freue!

Danach war ich in dem Forum: Warum Parteipolitik machen? Hierzu habe ich bereits einen Text für den Blog der GRÜNEN JUGEND geschrieben.
Die Party danach war auch sehr gut. Es hat schon etwas, wenn man auf dem Bundeskongress der GRÜNEN JUGEND zu „Die Partei hat immer Recht“ tanzt :)

Der Sonntag stand ganz im Zeichen der Wahlen zum Bundesvorstand und des SPUNK.
Silke, Tim und Paula schieden aus dem BuVo aus. Als Sprecherin bewarb sich Kathrin Henneberger, ihre Bewerbungsrede kann man hier nachlesen. Sie hat ein ziemlich gutes Ergebnis bekommen, hab mich sehr gefreut, dass sie kandidiert hat.

Auch sehr gut: Julia Löffler, Ex-Sprecherin der GJ Berlin, bewarb sich um den Posten als politische Geschäftsführerin. In ihrer Rede machte Julia deutlich, dass sie bei Schwarz-Grün im Bund austreten würde (danke für die Ehrlichkeit). Auch sehr gut gefallen hat mir ihre Idee einen gleichberechtigten SprecherInnenrat, ohne geschäftsführenden Vorstand, im Verband beliebt zu machen.

Da Kathrin damit von ihrem Beisitzerinnenplatz zurücktreten musste, um Sprecherin zu werden, war dieser nun frei und Julia Fuchs, eigentlich aus Bayern, jetzt aber in Cottbus wohnend, konnte in den BuVo gewählt werden.

Dann wurde es spannend, denn es kam zur Kampfkandidatur zwischen Georg Kössler und Stefan Lange. Mit Stefan arbeite ich ja schon seit sehr langem zusammen, u.a in der LandesschülerInnenvertretung, ich war jedoch etwas pessismistisch, denn Georg ist sehr bekannt im Verband und Stefan hatte ja auf dem letzten BuKo gegen Sebastian Wunsch als Schatzmeisterkandidat verloren. Umso erstaunlicher: Stefan setzte sich in der Stichwahl knapp durch. Viel Erfolg an dich im BuVo!

Ich hatte mich selbst für die SPUNK Redaktion beworben, wo es zu Kampfkandidaturen kam. Sowas finde ich immer so schade. Lasst uns endlich irgendwie von diesen Ämtern weg kommen, ich will dass jeder mitarbeitet. Und ich hätte auch gerne den kritischen und ideenreichen Geist von Felix Fischer und Tobias Edling im Spunk gehabt. Nunja, leider musste trotzdem gewählt werden. Ich konnte mich durchsetzen und bin jetzt im Spunk. Danke an die, die mich gewählt haben. Svenja, Rasmus, Silke, Judith, Jule und ich werden nun den stachligen Verband mit einer stachligen Zeitung kritisch begleiten.

Danach musste ich auch schnell wieder raus aus Bonn und zurück nach Hause. Der BuKo war toll und ich bin mit viel neuer Motivation zurück gefahren. Zum Schluss hier noch eine Liste der Presseauswertung und Blogs, die über den BuKo geschrieben haben.

*„Youngster wittern Wählerverarschung“ (Artikel aus der Taz)
*Ja zu Beust, Nein zu Merkel (Artikel aus der FR)

Beteiligte Blogs:
* Wolfgang Wettach, der sich auch toll an den Diskussionen beteiligt hat (1,2,3)

* Ario Mirzaie

* Silke Gebel

* Julia Seeliger

* Korbinian Deuchler

* Dogma Pillenknick

* Katharina Spiel

* Suat Kasem

* GRÜNE JUGEND Kongressseite

* Malte Spitz

* Bericht der GRÜNEN JUGEND Rheinland-Pfalz