Gestatten: ich bin Elite
Seit ich 15 Jahre alt bin engagiere ich mich politisch. Zuerst in der SchülerInnenvertretung, später bei politischen Jugendverbänden. Eigentlich bin ich eher so nebenbei in die Politik reingerutscht. Ich wurde mit 14 Jahren jüngstes Mitglied unserer Theater Gruppe an der Schule und fand mich auf einmal in einer Clique von lauter linksalternativen Oberstufenschülern wider. Ich fing an die Musik zu hören, die sie hörten und ging mit ihnen auf meine erste Demo. Dort lernte ich eben auch eine Freundin kennen, die bei der LandesschülerInnenvertretung aktiv war und die mich zu sämtlichen Sitzungen mitnahm, bis ich mich dann irgendwann für den Vorstand zur Wahl aufstellen ließ.
Irgendwie beschäftigt mich schon seit längerem die Frage warum Jugendliche politisch werden und ob wir als politisch aktive Jugendliche nicht eine gewisse Elite darstellen. Letztens habe ich von Julia Friedrich „Gestatten Elite“ gelesen.
Die junge Autorin Julia Friedrichs ist in die Welt des Führungskräftenachwuchses eingetaucht und beschreibt sehr anschaulich und lebhaft ihre Eindrücke von dieser heranwachsenden zukünftigen Wirtschaftselite. Sie fragt sich dabei, wer bzw. was Elite ist. Statt einen wissenschaftlichen Ansatz in Form eine Studie oder einer Literaturrecherche zu wählen, entscheidet sie sich für die reine Beobachtung. Sie begibt sich unter die jungen Menschen, die sich selbst als (zukünftige) Elite bezeichnen, und man begleitet Friedrichs auf ihrer Reise durch deren Welt, mit Stationen wie beispielsweise die EBS in Oestrich-Winkel, die Bayerische Elite-Akademie in München oder das Internat Schloss Salem. Mit viel Witz und Leichtigkeit beschreibt sie dabei ihre Erfahrungen und das Erlebte.
So steht es in einer Rezension über das Buch. Friedrich studiert die gesellschaftliche Zusammensetzung der Wirtschaftselite von morgen. Wie wäre es mal mit einer Analyse über die politische Elite von morgen? Wie wäre es, wenn jemand mal in die Welt der deutschen Jugendbeteiligung eintauchen und nachforschen würde, wie die jetzigen politischen Netzwerke aufgebaut sind?
Ich finde es manchmal nämlich schon erstaunlich, wie verfestigt diese politischen Netzwerke bereits heute sind. Bei einigen Menschen in meinem unmittelbaren Umfeld bin ich mir 100% sicher, dass ich sie in den nächsten 10 Jahren im Deutschen Bundestag sehen kann oder dass sie als Redakteur für eine der großen Zeitungen in Deutschland schreiben. Auch unsere politische Netzwerke sind elitär. Sie sind nach außen hin sehr abgeschottet, nur wenige schaffen es wirklich zu einem Teil dieser Netzwerke zu werden. Man muss schon die richtigen Leute kennen, um „etwas zu werden“, so ist zumindestens mein Gefühl. Die politische Elite von morgen kennt sich bereits heute. Sind wir also nicht alle ein bisschen Elite, die politisch aktiv sind? Dem Gedanken werde ich mal nachhängen…
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Tags: Elite, Gedanken, Jugendbeteteiligung, Julia Friedrich, Politik


Für dieses Buch wurde ich interviewt, als ich letztes Jahr an der Deutschen Schülerakademie teilgenommen hab. Und angeblich wird unsere Akademie darin auch erwähnt. Obs stimmt weiß ich nicht, war irgendwie zu faul um es zu lesen…
Und von wegen politische Elite…ich glaub eher, dass junge engagierte Menschen deshalb „elitär“ wirken, weil sie so selten geworden sind. Und grade Jugendorganisationen wie die Grüne Jugend sind doch recht basisdemokratisch aufgebaut, gerade um diesem Gefühl, man könne ohne Beziehungen nichts erreichten, entgegenzuwirken.