Netzpolitik hatte ja bereits über den Vorfall berichtet, von Julia Seeliger gibt es heute wieder einen längeren Blogbeitrag zu dem Thema: der BUND Freiburg gegen Wikipedia bzw. gegen die Atomlobby.
Was ist passiert?
Der BUND Freiburg wirft der Atomlobby vor bewusst kritische Links des BUND auf die Spamliste bei Wikipedia gesetzt zu haben. Dadurch würden diese kritischen Seiten auch nicht mehr bei Google auftauchen.
Die ganze Debatte spiegelt das Unverständnis der Umweltbewegung gegenüber interaktiven Tools wie Wikis oder Blogs wieder. Ich arbeite seit einem Jahr für den BUND Rheinland-Pfalz und dort gibt es ähnliche, mittelalterliche Vorstellungen von der Nutzung des Internets.
Die Badische Zeitung hatte diesen Vorfall vor kurzem genauer analysiert. Hier wurde auch deutlich, dass der BUND selber nicht ganz unschuldig war:
Mayer stellte dafür eigens hin und wieder einen Zivildienstleistenden des BUND ab, der allein die Aufgabe hatte, auf Wikipedia Links zu setzen. Das Problem: Kaum war er am Ende der langen Liste angelangt, konnte er gleich wieder von vorne beginnen. „Manchmal wurden die Links binnen Stunden, manchmal binnen Minuten wieder gelöscht“, berichtet Mayer.
Da sind sie ja mal selber dran schuld. Wer Edit Wars in einer offenen Community anfängt, muss sich nicht wundern, wenn die Community die Beiträge des BUND als SPAM kennzeichnet.
Einer der Sprecher von Wikipedia, Matthias Schindler, hat deshalb auch einen Beschwerdebrief an das Bundesamt für Zivildienstleistende geschrieben, hier ein kleiner Auszug:
Gegenüber der Badischen Zeitung erklärt der Geschäftsführer des
BUND-Regionalverbandes Südlicher Oberrhein, er habe einen
Zivildienstleisten dafür eingespannt, Weblinks zu den eigenen
BUND-Seiten im Rahmen einer Kampagne gegen Atomkraftwerke in Wikipedia
einzubauen. (…) Auf Ihren Informationsseiten im Internet sind relativ umfangreiche
Angaben über die zulässigen Tätigkeiten von Zivildienstleistenden im
Bereich des Umweltschutzes (…)Die Beteiligung an Versuchen, andere Webseiten zu überflugen ist nicht
darunter. Dieses im Internet unerwünsche Verhalten läuft üblicherweise
unter Spam. (…) Mit Verweis auf Punkt 3.1.2 der Grundsätze für den Dienst von
Zivildienstleistenden bei anerkannten Dienststellen vom 15. September
1986 i. d. F. vom 23. Januar 1996 möchte ich Sie darum bitten, die
weitere Verwendung von Zivildienstleistenden für solche Aktivitäten zu
unterbinden. Hilfsweise bitte ich um die Weiterleitung dieser Email an
die zuständige Stelle. (…)
Die Wiki Community ist mittlerweile so stark, dass ich Manipulationen von der Atomlobby weitestgehend ausschließen würde. Jeder neue Beitrag wird sehr genau geprüft und ist gibt ja nicht nur bezahlte Mitarbeiter bei Wikipedia, sondern vor allem Leute, die einen großen Teil ihrer Freizeit in das Projekt stecken und deshalb ersteinmal nicht wegen Korruption seitens Vattenfall oder Eon angegriffen zu werden. Der BUND hätte sich vorher lieber besser informieren sollen, wie man mit solchen Web Angeboten umgeht, anstatt vorschnell einen Netzpolitik Streit vom Zaun zu brechen, der auf jeden Fall peinlich für den BUND enden wird.
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Tags: Atomlobby, BUND, Netz, Wikipedia

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