Auf dem BuKo der GRÜNEN JUGEND soll es an diesem Wochenende auch um das Thema Prostitution gehen. Eingereicht sind zwei Anträge:
1. einer von mir, der die Legalisierung fordert: http://www.gruene-jugend.de/show/618988.html
2. einer von Teilen der Frauenkommission, der sich für das Verbot ausspricht: http://www.gruene-jugend.de/show/620932.html
Jetzt hat Hydra e.V. eine Erwiderung an uns geschickt und uns aufgefordert, dass die Leute auf dem BuKo bei beiden Anträgen mit Nein stimmen. Sie fordern wie ich die Legalisierung, sehen in meinem Antrag aber auch noch große Mängel (die ich nicht bestreiten kann). Ich bin am Überlegen, ob nicht einfach beide Anträge zurückgezogen werden sollen.
Hier die komplette Erwiderung als PDF.
stellungnahme von hydra
Filed under: Grüne Jugend | 6 Comments
Tags: Hydra, Legalisierung, Prostitution
Das freut mich, dass Hydra sich dazu geäußert hat. Wir (einige Leute aus der GJ) haben deinen Antrag auf einem Seminar in Hannover (nebenbei) besprochen und ich habe größtenteils die gleichen Kritikpunkte genannt, wie Hydra. Warum verletzt Prostitution per se die Würde der Prostituierten? Und warum ist es besser, ihre freie Berufswahl und ihre Arbeit zu stigmatisieren? Das leuchtet mir einfach nicht ein. Leider kommt das jetzt so spät, ich wäre aber grundsätzlich daran interessiert, dabei zu helfen den Antrag zumzuformulieren. Der Grundgedanke, durch Legalisierung Nachteile für SexarbeiterInnen abzuschaffen, hat meine Zustimmung. Den Antrag der Frauenkommission würde ich nicht unterstützen.
Die Argumentation von Hydra bzgl. der Altersgrenze finde ich nicht richtig (demnach müssten ja minderjährige Prostituierte auch legal arbeiten dürfen, weil sie es in Bordellen besser haben als auf dem „Kinderstrich“). Das Argument, wer wählen darf, muss auch den Beruf frei wählen dürfen, finde ich sinnvoller. Gerade wir als Grüne Jugend, die Jugendlichen Verantwortung für sich selber übertragen möchten, ist diese Grenze eher komisch und wirkt willkürlich.
Ich weiß nicht, ob man es hinkriegen würde, morgen noch einen Änderungsantrag zu stellen bzw deinen Antrag zu ändern. Leider könnte man sich dann vorher nicht mit Hydra u.a. zu beraten. Vielleicht ist der Rückzug doch sinnvoller, wenn man eine Änderung nichtmehr hinkriegt.
Ich formuliere noch drastischer:
Wer alt genug ist, um als Bundeswehrsoldat notfalls andere Menschen zu töten ist auch alt genug, seinen Beruf frei zu wählen.
Merkwürdigerweise wurde die Altersgrenze 18 für z.B. ErzieherInnen, ALtenpflegerInnen etc. letztes Jahr aufgehoben mit der Begründung, es gebe keine alterrelevanten Einschränkungen bei der Berufswahl.
Die Altergrenze für Prostituierte wurde in diesem Zusammenhang von 16 auf 18 angehoben. Und durch die Änderung des Strafgesetzes („Menschenhandel“) faktisch auf 21 Jahre erhöht.
Ich bin der Meinung, dass junge Frauen durch vernünftige Regelungen besser vor sogenannten „Loverboys“ geschützt werden können als irgeneine Art der Kriminalisierung.
@Gregor: Die Situation von Prostituierten zwischen 18 und 21 ist aber nicht parallel zu der Minderjähriger und daher auch die Argumentation nicht.
Ein Mädchen unter 18 darf sich gar nicht prostituieren. Wenn sie auf dem Straßenstrich aufgegriffen wird, wird sie nicht dort stehengelassen.
Eine Frau über 18 aber darf sich prostituieren, sie ist schließlich volljährig. Sie kann aber weder in einer Wohnung, noch in einem Bordell arbeiten, ohne dass der Vermieter oder Bordellbetreiber sich strafbar macht nach §232 StGB, Absatz 1, Satz 2. Und das ist eine paradoxe Situation, die nicht im Interesse der Betroffenen sein kann.
@Mavis
Ok, das habe ich anders verstanden. Ich dachte es ginge darum, dass sich Menschen unter 21 gar nicht prostituieren dürfen, Menschen über 21 mit allen Rechten und Pflichten. Dass sich Menschen unter 21 prostituieren dürfen, aber nur auf dem Straßenstrich, ist natürlich Blödsinn. Das würde ich nicht befürworten.
die Schlagwörter des Textes wie „progressiv gestalten“ und „Es gibt keine einheitliche Prostitution“ sprachen mich zunächst sehr an, aber im Laufe des Lesens merkte ich dass vieles gar nicht so „progressiv“ ist wie behauptet, vor allem die Zwangsuntersuchungen und „der Ausstieg muss das oberste Ziel bleiben“ hinterliessen einen sehr schalen Nachgeschmack. Natürlich soll der Ausstieg von Ausstiegswilligen so gut wie möglich gefördert werden, aber die Annahme alle wollen aussteigen zeigt ein ziemlich vorurteilsbehaftetes Denken. Das oberste Ziel muss doch vielmehr die Sicherheit und die Gestaltung der Prostitution unter akzeptablen Arbeitsbedingungen sein. Ich fürchte bei einer solchen Betonung auf den Ausstieg verfehlt man das Ziel, sich für eine selbstbestimmte Sexualität einzusetzen.
Den ersten Antrag zu ändern wäre sicher nicht schlecht, mit der Ablehnung des Schwedischen Modells wurde bereits vieles Begriffen. Ich denke hier ergibt sich eine Chance, Prostitution tatsächlich progressiv zu gestalten. Dass die Erwiderung von Hydra zur Kenntnis und Ernst genommen wird, ist ein wichtiger Schritt in diese Richtung.