Literaturparade
Juni 24, 2008
Ich beteilige mich heute mal wieder an einer Blog Parade und zwar zu einem meiner Lieblingsthemen: Bücher.
(Wer nicht weiß was eine Blog Parade ist, hier gucken!).
Die Parade wurde von Lilly Berry ins Leben gerufen, wer sich daran beteiligen will kann das noch bis zum 10.07 tun. Einfach Artikel schreiben und Trackback abschicken. Nun zu meinen Antworten auf die Blog Parade.
Ich bin ein begeisterter Bücherwurm. Mein allererstes Buch war “Wo die wilden Kerle wohnen” von Maurice Sendak.
Mein Lieblingsautor ist definitiv Haruki Murakami (1). Zurzeit lese ich aber auch gerne Benjamin Kunkel, Cormac McCarthy oder Juli Zeh.
Lilly Berry möchte folgendes wissen:
Gehört ihr noch zu der Kategorie Bücherwurm oder hat die Multimedia-Welt euch fest im Griff?
Ich finde das schließt sich nicht gegenseitig aus. Ich finde das Web 2.0 und die stärkere Nutzung des Internets wirklich gut und lese auch viel am PC, grade die Onlineauftritte von Zeitungen. Aber ein ganzes Buch würde ich nicht am PC lesen. Am tollsten ist es doch in der Bücherei sich ein Buch auszusuchen und es dann zuhause gemütlich aufzuschlagen und förmlich darin zu versinken.
Darf es also ein spannender Roman sein oder eher die abendliche Fernsehserie?
Naja, da doch eher der Roman. Kommt aber auch auf die abendliche Fernsehserie an und wie kaputt ich bin
Im Ernst: Wenn man einen anstrengenden Tag hinter sich, dann ist sinnloses Fernseh gucken auch reizvoll.
Herkömmliche Bücher, Ebooks oder Hörbücher?
Da bleibe ich gerne konservativ und greife zu den herkömmlichen Büchern. Ebooks kommen für mich nicht in Frage und Hörbücher haben mich noch nie gereizt. Ich bin kein Mensch der sich gerne Geschichten mündlich anhört.
Hardcover oder Taschenbuch?
Hardcover! Obwohl ich mehr Taschenbücher besitze, aber das ist auf den chronisch knappen Geldbeutel zurückzuführen.
Bestseller oder Klassiker?
Die klassischen Romane und Dramen finde ich immer noch wunderbar. Dürrenmatt, Max Frisch, Franz Kafka…die ziehe ich oftmals einem derzeitigen Bestseller wirklich vor…außer es ist ein neues Buch von Murakami.
Sachliteratur oder Belletristik?
Schwierig, kommt auf meine Gefühlslage an. Seit einem halben Jahr lese ich fast ausschließlich wieder Belletristik, letztes Jahr aber eigentlich nur Sachliteratur. Spannend finde wie Julia Friedrichs ein Sachthema, nämlich die Erforschung der Elite, wunderbar in eine Art Reisereportage verpackt hat. Mehr davon!
Seht ihr im guten, alten Schmöker eine Zukunft oder werden Bücher kommenden Generationen bald gänzlich fremd sein?
Ich brauche keine Zukunftsvision a la Fahrenheit 451. Bücher sind fester Bestandteil unserer Kultur und immer noch meine erste Wahl, wenn ich Informationen haben möchte. Sollten Bücher wirklich verschwinden, dann Gute Nacht liebe Welt. Sicherlich werden Bücher in der Zukunft immer mehr in den Hintergrund gedrängt werden, aufgrund der Digitalisierung. Aber es wäre doch den Versuch wert eine gute Balance zwischen der digitalen und der Bücherwelt zu finden. Wie gesagt, für mich gibt es da an sich keinen Widerspruch.
Habt ihr literarische Vorbilder, Lieblingsautoren- oder -romanfiguren?
Kann ich so eigentlich nicht sagen. Bemerkenswert finde ich Georg Büchner, der seiner Zeit doch schon um einige Schritte voraus war. Mein Lieblingsautor ist wie gesagt Haruki Murakami. Seine Bücher spiegeln am besten unsere heutige Welt wider, denn er versucht bewusst Nischen zu finden innerhalb unserer Gesellschaft. Bei ihm spielen grundlegende menschliche Werte eine Rolle, deswegen sind seine Romanfiguren auch so sinnstiftend. Eine Lieblingsromanfigur habe ich an sich nicht, aber ich finde die Darstellung des Walter Faber aus Homo Faber überaus beeindruckend. Die verschiedenen Erzählperspektiven liefern eine sehr tief gehende Charakterstudie der Titelfigur wider.
Und was ist das letzte Buch, welches ihr gelesen habt bzw. was lest ihr zur Zeit?
Zuletzt gelesen: Afterdark
Grade dabei: Manhattan Transfer
So, bin sehr gespannt auf das Ergebnis der Parade.
Hier noch die Ergebnisse von ein paar anderen Blogs:
* sebsn
* zeitsturz
* Westaflex
Viel Spaß beim Lesen!
Gebt diesem Mann den Nobelpreis!
Mai 27, 2008
Manchmal habe ich Phasen in meinem Leben, wo ich ein riesiges Bedürfnis habe zu lesen. Und dann lese ich am liebsten Haruki Murakami. Letzte Woche hatte ich schon wieder so eine Phase gehabt und mir im Buchladen “Gefährliche Geliebte” gekauft. Vier Stunden später war ich mit dem 200-Seiten Buch durch. Also wieder in die Buchhandlung. Was jetzt? Wie wäre es mit “Mister Aufziehvogel”. Das hat wenigstens 700 Seiten und verspricht mich noch länger an das Buch zu fesseln. Nach zwei Tagen bin ich schon auf der 450 Seite. Ich glaube solche Leseerlebnisse habe ich bisher bei noch keinem Autor verspürt.
Letztes Jahr im Dezember fiel mir “Kafka am Strand” in die Hände (Rezension von Spon gibt es hier).
Ein Blogger schreibt über Kafka am Strand:
Wie in einem Labyrinth führen die Wege dieser Personen zur Mitte hin, auf einander zu. Aber wo endet diese Reise voller rätselhafter Begegnungen? Was wird sich in dieser Welt zwischen Traum und Wirklichkeit finden?
Kafka am Strand ist ein modernes Märchen - voller Magie und Weisheit.
Ich weiss nicht wie, aber Murakami schafft es einfach in der normalen Welt wunderbare Parallelwelten zu erschaffen. Bei ihm wird die Ausnahme zur Norm und man weiss nie, ob seine Protagonisten träumen oder alles wirklich erleben.
Murakami ist Weltbürger. Seine Bücher verbinden die Kulturen und lassen erahnen, dass es in der globalisierten Welt tatsächlich so etwas wie eine Weltkultur zu geben scheint, die sowohl in New York, als auch in Berlin oder Tokyo gleich ist.
Der Schwarzwälder Bote schreibt ganz richtig:
Wer Murakami liest, stürzt sich in die Fieberträume von Durchschnittstypen. Die Helden in seinen Romanen („Wilde Schafsjagd“, „Mister Aufziehvogel“) bewegen sich oft zwischen Realität und geheimnisvollem Paralleluniversum, auf Meta-Ebenen mit doppeltem Boden.
Wenn man seine Bücher liest, dann taucht man in das Buch wirklich hinein. Die Bücher enden meistens auch absolut unkonventionell und lassen dich noch Tage danach darüber nachdenken, was der Autor einem eigentlich mitteilen wollte. Ich bin zu schnell mit seinen Büchern durch, aber Gott sei Dank war Murakami ein fleißiger Autor und es gibt noch einige Bücher von ihm, die auf meiner Wunschliste stehen.
Jetzt hat Murakami ein ganz persönliches Buch herausgegeben. Ein Buch über das Laufen. Denn er sagt selber, dass die meisten seiner Geschichten ihm beim Laufen eingefallen sind. Ich habe es noch nicht gelesen, bin aber gespannt, wie ein persönliches Buch von ihm sich liest.
Saubereingeschenkt ist begeistert:
Er mischt Aufschriebe über seine Leidenschaft zum Laufen mit persönlichen Einblicken in sein Leben und seinen Empfindungen über das Schreiben. Wieso er Schriftsteller und Läufer wurde, was beides verbindet und welche Ziele er sich gesetzt hat, sind nur zwei Dinge die der Leser erfährt.
Die Freude beginnt bereits beim Anblick des Buchs. Selten habe ich ein so harmonisch abgestimmtes Cover gesehen. Allein das Buch in die Hand zu nehmen und aufzuschlagen macht Spaß.
Das Cover ist wirklich sehr schön, wie man hier sehen kann:

Auf Spiegel Online gibt es zu dem neuen Buch auch ein sehr tolles Interview (auf Englisch).
Ich meine: Gebt diesem Mann den Nobelpreis! Er ist der Autor unserer modernen Zeit!
Wer sonst schafft es, dass sich das Literarische Quartett komplett verfeindet ![]()
Tatsächlich verließ Sigrid Löffler das Quartett nach einem Streit über das Buch “Gefährliche Geliebte”. Ich gebe Ranicki recht: Löffler hat das Buch überhaupt nicht verstanden. Zum Abschluss noch das Video der Sendung von Youtube:
Das nackte Leben
April 7, 2008
“Homo Sacer- Die Souveränität der Macht und das nackte Leben”. Vor einem Jahr brachte mich Tobias Muno auf dieses Werk des italienischen Philosophen Giorgio Agamben. Und genau ein Jahr lang verstaubte die Suhrkamp Ausgabe dieses Buches in meinem Bücherschrank, bis ich es dann vor drei Wochen hervorholte, als ich wegen eines Allergieanfalls ans Bett gefesselt war.
Agambens Werk hat mich wirklich ziemlich beeindruckt. Seine Thesen ist hochaktuell und erfassen den politischen Kern der Zeit. Vor dem Hintergrund der Vorratsdatenspeicherung, der Online Durchsuchung, dem biometrischen Reisepass, der BKA-Novelle etc. wirken die Thesen von Agamben noch stärker.
Er entwirft, in Anlehnung an Michel Foucalt, eine Biopolitik. Als Antwort auf den internationalen Terrorismus und globale Flüchtlingsbewegungen wird die gesamte Gesellschaft unter Generalverdacht gestellt und systematisch erfasst. Grund- und Freiheitsrechte werden schrittweise außer Kraft gesetzt. Der Ausnahmezustand wird bei Agamben zur Norm, die politische Ordnung zur Ausnahme. Daher auch der Name des Buches: Das nackte Leben. Dies bedeutet, dass der Staat direkte Einwirkungen auf das persönliche Leben der Menschen nimmt und bis in die Privatsphäre hervordringt.
Ihr wahres Gesicht, so Giorgio Agamben, zeigt die moderne Demokratie erst dort, wo ihre eigenen Rechtsverhältnisse einen Raum der Rechtlosigkeit eröffnen. Wehe dem, der in diesen Raum hineingerät. Er ist buchstäblich geliefert, vom Recht gleichermaßen ein- wie ausgeschlossen, oder, lateinisch gesprochen, homo sacer. Sacer, jenes Adjektiv, von dem sich “sakral” ableitet und das man gewöhnlich mit “heilig” übersetzt, hält Agamben für ein Wort, das einem jahrhundertealten Mißverständnis zu entreißen sei. Es sei nämlich gar kein genuin religiöser Begriff, sondern das juridische Schlüsselwort, welches das Geheimnis politischer Souveränität offenbare. Die Beweislast dafür soll eine denkwürdige Stelle bei Sextus Pompeius Festus tragen: “Homo sacer aber ist derjenige, den das Volk wegen eines Vergehens verurteilt hat; und es ist Frevel, ihn zu opfern, wer ihn aber tötet, wird nicht des Mordes schuldig gesprochen”. (via)
Agambens Buch ist beim ersten Mal extrem schwer zu lesen, denn er bezieht sich auf diverse Schriftsteller und Philosophen, bei denen er vorraussetzt, dass der Leser/die Leserin das Werk der zitierten Person kennt. Trotzdem: jeder der heute in der BürgerInnenrechtsbewegung aktiv ist sollte Agambens Buch zumindestens einmal angelesen haben. Denn er entlarvt das System, welches sich hinter der neuen Sicherheitspolitik der westlichen Nationen aufgebaut hat.


